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Neben der St. Concordiakirche in Ruhla gibt es
noch einige weitere Winkelkirchen
in Deutschland, die Stadtkirche in Freudenstadt (Schwarzwald), die
evangelische Kirche in Elsfleth (Niedersachsen), die evangelische Kirche
in Rohrdorf (Landkreis Calw), die evangelische Kirche in Unterschüpf
(Landkreis Tauberbischofsheim) die
Marienkirche in Küblingen (Niedersachsen)
und die St. Stephanus-Kirche in Freckleben bei Aschersleben
(Doppelwinkel-Kirche).
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Die Stadtkirche in Freudenstadt |
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Freudenstadt
liegt im Schwarzwald. Herzog Friedrich von Württemberg gab 1599 den
Auftrag zum Bau dieser Stadt. Stadtplaner war der herzogliche
Baumeister Heinrich Schickhardt, der auch im Anschluss die Kirche
entwarf. Die Grundsteinlegung für den Bau der Winkelhakenkirche an
dieser prägnanten Stelle ergab sich aus der Lage des vom Herzog selbst
so gewollten Marktplatzes.
So ist eine Besonderheit der sich an der Innenseite des Winkels unter
der Empore hinziehende nach aussen offene Gang, ein Teil, der in allen
Marktplatzhäusern eingefügten, um den ganzen Platz geführten Arkaden,
in Freudenstadt die „Bögen“ genannt.
Mit der Grundsteinlegung zur Stadtkirche am 2. Mai 1601 begann der eigentliche
Aufschwung für die Stadt, die am 6. Mai 1601 den Namen „Freudenstadt“
erhielt. Die Stadtkirche wurde nie „richtig“ eingeweiht, wohl auch,
weil Herzog Friedrich am 29. Januar 1608 starb. Die Einweihung der Stadtkirche fand
sieben Jahre nach der Grundsteinlegung, am 1. Mai 1608 statt.
(Dazu dankenswerterweise der Kommentar eines Surfers: Das Datum
1.5.1608 bezeichnet die sogenannte Abschiedspredigt des Pfr.Vehringer,
den es auf das Altenteil nach Alpirsbach [ehem.Kloster] zog. Erst 1615
bequemte sich der Dekan von Herrenberg [dazu gehörte damals der
Kirchenbezirk FDS], eine sog. offizielle Einweihungsfeier zu
veranstalten – aber das war natürlich nur ein „Nachklapp“, denn die
Kirche war ja schon lange „in Betrieb“)
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Die Evangelische Kirche in Elsfleth
/ Niedersachsen |
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Die
1504 errichtete Nikolai-Kirche ist 1690 durch einen Anbau
Winkelkirche geworden. Dadurch vergrößerte sich der Innenraum etwa auf
das Doppelte. Hätte man die schmale Kirche verlängert, was vielleicht
vom Grundstück her nicht möglich war, wäre ein wenig befriedigender
Raum entstanden. Dass man sich für die Winkelkirche entschied, war
wohl die bessere Lösung.
Der frühere Chor ist dem Umbau zum Opfer gefallen und Kanzel und Altar
wurden jetzt dort aufgestellt, wo die alte und die neue Wand
zusammenstoßen. Der Kirchturm blieb am Ende des alten Teiles erhalten.
Vermutlich waren praktische Gründe für die Winkelform bestimmend, ob
die Kirchen in Freudenstadt oder Ruhla die Entscheidung beeinflusst
haben, ist ungewiss, doch dürfte in Fachkreisen die eigenartige
Bauweise weithin bekannt gewesen sein.
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Die ehemalige Johanniterkirche in
Rohrdorf, bei Nagold, Landkreis Calw |
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Die
1311 Johannes dem Täufer geweihte Kirche gehörte der Rohrdorfer
Kommende des Johanniterordens.
Nach der Reformation, in Rohrdorf 1556, wurde vereinbart, dass die
Kirche von den Evangelischen mitbenutzt werden darf. Weil die
gemeinsame Kirchenbenutzung nicht problemlos blieb, verpflichtete 1738
der württembergische Herzog den Komtur, auf seine Kosten eine zweite
Kirche zu bauen oder durch Umbau der vorhandenen, zwei Kirchen zu
schaffen.
Man entschied sich für die billigere Lösung:
Der Ostteil mit Chor wurde durch eine Trennwand als katholische Kirche
vom übrigen Kirchenschiff abgetrennt und über der Mauer als Turm für
beide Kirchen ein Dachreiter aufgesetzt.
Evangelische Kirche wurde der zu verlängernde Teil jenseits der Mauer.
Wegen der Lage des Rathauses, einst Komturei, erfolgte die
Verlängerung unter einem Winkel von 160 Grad. Das Gebäude lehnt
sich ans Rathaus an und bildet mit diesem zusammen eine bauliche
Einheit.
Die Kirche unterscheidet sich von den anderen Winkelkirchen wegen des
sehr stumpfen Winkels erheblich.
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Die Evangelische Kirche in
Boxberg-Unterschüpf, Kreis Tauberbischofsheim |
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Diese Kirche, die vielleicht auf eine ältere von 807 zurückgeht,
entstand Ende des 13. Jahrhunderts und ist 1617 durch einen Umbau,
ähnlich der Kirche in Elsfleth zur Winkelkirche geworden. Auch hier
blieb der Turm am Ende des alten Kirchenteils erhalten.
Bemerkenswert ist, dass der Winkel beider Kirchenschiffe zueinander
nicht 90 Grad, sondern 95 Grad beträgt. Unabhängig davon, welche
Gründe zur Wahl dieses Winkels geführt haben mögen, wurde die Strenge
einer rechtwinkligen Architektur gemildert und es ist ein
ansprechender Kirchenraum entstanden.
Im Gegensatz zu den anderen Winkelkirchen mit gleicher Flügellänge,
ist in Unterschüpf der große neue Teil beherrschend. Der alte ist zum
Nebenraum geworden. Die ursprünglich hinter dem Altar aufgestellte
Kanzel ist bei einer Renovierung 1961 aus akustischen Gründen an den
Übergang vom Hauptraum zum Nebenraum gestellt worden.
(Freudenstädter Heimatblätter, Band XXII, Nr. 6 / Juni
1991)
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Anmerkung:
Der Unterschied der Winkelkirchen untereinander besteht darin, dass
die Kirchen in Ruhla und Freudenstadt entsprechend den örtlichen
Gegebenheiten geplant und gebaut wurden (Schwierig- keiten beim Bauen
am felsigen Berghang in Ruhla und Einbeziehung in die viereckige
Marktplatzarchitektur in Freudenstadt).
Alle anderen Winkelkirchen entstanden durch Um- bzw. Anbau an
bereits bestehende Gotteshäuser.
Nur die Winkelkirchen in Ruhla und Freudenstadt sind streng genommen
„echte“ Winkelkirchen.
Da die Stadtkirche in Freudenstadt, 1945 durch einen schweren
Bombenangriff sehr stark beschädigt, nach dem 2. Weltkrieg wieder
aufgebaut werden musste, ist somit die St. Concordia Kirche zu
Ruhla die einzige aller Winkelkirchen, die noch im ursprünglichen
Bauzustand erhalten geblieben ist.

 
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