Startseite Gemeindeleben Bilder und Berichte 2012

Im Zauber der Ostkirche


Fremden Kulturen begegnen, neue Horizonte erleben auf einem Tagesausflug mit Pkw? Doch, das geht: Pfarrer Gerhard Reuther von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde „Concordia“ hatte den Anstoß gegeben, und anderthalb Dutzend Teilnehmer machten sich am letzten Samstag im Juni auf den Weg nach Bischofsheim an der Rhön. Dort hatte der Pfarrer wie durch Zufall auf einem Motorrad-Ausritt vor einem Jahr eine russisch-orthodoxe Kirche entdeckt, den Popen kennengelernt und seiner Ruhlaer Gemeinde dessen Einladung mitgebracht.

Pfarrer Fjodor Hölldobler, selbst erst als Erwachsener zur Orthodoxie gekommen, hat in dem fränkischen Bergstädtchen aus Gebäuden einer stillgelegten Brauerei nach und nach ein kleines ostkirchliches Gemeindezentrum aufgebaut, mit Kirche, Gemeindesälen, Kapellen. Von weither kommen die Gläubigen, um bei ihm den christlichen Glauben in seiner ältesten, kaum veränderten Gestalt zu erleben. Von den zweistündigen Gottesdiensten in seiner kleinen Kirche „St. Prokopius“ erzählte er während der Führung, dass selbst kleine Kinder sich erstaunlicherweise dabei nicht langweilen. Die Predigt ist sehr kurz (vielleicht ist das der Grund), der Rest ist mit Gesang und liturgischen Handlungen ausgefüllt. Gefühl und Sinne werden mehr angesprochen als bei unserer Konfession. Das Mittagessen im Gemeinderaum war von Frau Hölldobler liebevoll und einfallsreich zubereitet (orthodoxe Pfarrer sind verheiratet), ein gerade zu Besuch weilender bulgarischer Pianist spielte dazu sanft auf dem Klavier. Seine Schwester, die Ikonenmalerin Marchela Dimitrova, Schöpferin des Bilderschmucks der Kirche, war ebenfalls angereist. Und Pfarrer Hölldobler gab zum Abschluss den begeisterten Ruhlaer Besuchern eine Kostprobe aus seinem neuen Konzertprogramm auf der Johannus-Orgel, nicht in der Kirche, weil der orthodoxe Gottesdienst nur Vokalmusik erlaubt, sondern in seiner Bibliothek.
Wie zum Kontrast fuhr die Besuchergruppe nun weiter auf den nahe gelegenen Kreuzberg, das berühmte katholische Wallfahrtszentrum mit Kreuzweg, Franzis­kanerkloster und dem von lautstarken Besucher­massen angefüllten Brauerei­ausschank (dieses vorzügliche dunkle Bier kann man übrigens auch daheim auf dem „Dreiherrnstein“ in Ruhe trinken). Erneut tief beeindruckt, wenn auch auf etwas andere Weise, rollte der kleine Besucherkonvoi zurück in die Thüringer Heimat. Das Erlebte wird sicherlich noch lange nachwirken. Dem Himmel sei Dank, der Pfarrer Reuther stets so gute Einfälle schenkt!
                                                                                                                                       Ullrich Göbel

(weitere Infos unter: www.orthodoxe-kirche-bischofsheim.de; www.kreuzbergbier.de)