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Buchlesung „Der lange Abschied“


Am 23. April hatten die Ev. Kirchgemeinde und der Ambulante Hospizdienst Ruhla zu einer Buchlesung mit der Autorin Johanna Weymar aus Kieselbach eingeladen. Frau Weymar ist gelernte Krankenschwester und hat mit ihrer Familie zusammen über 24 Jahre ihre an Demenz erkrankte Mutter gepflegt. Ihr sehr persönlicher Bericht gab den Anwesenden einen tiefen Einblick in das Erleben der ganzen Familie. Sie berichtete von dem langen Abschied mitten im Leben, den eine schleichende Demenzerkrankung bedeutet. Doch entgegen der landläufigen Meinung bedeutet eine Demenzerkrankung nach ihrer Erfahrung nicht durchweg ein beschwerliches und trauriges Erleben, sondern kennt auch viele heitere und frohe Stunden. Entscheidend ist der Umgang mit der Krankheit und vor allem mit dem Kranken. Und noch eine wertvolle Erkenntnis findet sich in dem Buch. Gewöhnlich stellt sich für alle Beteiligten, besonders aber für die Angehörigen, die Sinnfrage nach einem solchen Leben. Eben diese Frage hat Frau Weymar sich selbst und ihren Angehörigen gestellt und sie berichtet darüber in ihrem Buch. Es war überraschend, welche Antworten sie erhielt. Es ist bedauerlich, daß diese Veranstaltung nur ein geringes Echo gefunden hat. Umso mehr, als dieses Thema früher oder später fast jede Familie in Deutschland betreffen wird. Schon jetzt leiden 1,4 Mio. Deutsche an Demenz, und jedes Jahr kommen 300.000 Patienten dazu. Es ist daher sehr empfehlenswert, sich frühzeitig mit dieser Krankheit und ihren Folgen zu beschäftigen. Das Buch von Frau Weymar macht Mut, seinen eigenen Weg in dieser Frage zu finden und die Furcht vor der Krankheit abzulegen, denn das Leben eines Demenzkranken behält seinen Wert und kann das Leben der Angehörigen sogar bereichern.
Wer auf das Buch neugierig geworden ist, kann sich gern an das Ev. Pfarramt wenden.