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Bildungsförderung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben – Ruanda-Reise 2015


Vom 19. Januar bis 3. Februar 2015 unternahmen Pfarrer Reuther und drei Paten aus Ruhla eine Reise nach Ruanda. Das Ziel der Reise bestand darin, mit dem Reprä­sentanten unseres Ökumenischen 1Welt-Kreises in Ruanda, Herrn Dietmar Mauermann aus Düsseldorf, wichtige Fragen im Zusammenhang mit unserem Bildungspatenschaftsprogramm zu besprechen, die sich im Lauf der letzten zwei Jahre ergeben haben, ferner Arbeitsgespräche mit ruandischen Partnern zu führen und schließlich Patenkinder zu besuchen.
 

Die drei Paten aus Ruhla, die erstmals nach Ruanda reisten, wollten vor allem ihre Patenkinder zu besuchen: ein Ehepaar, das sein Patenkind schon seit nahezu sieben Jahren unterstützt, und ein Mann, der sein Patenkind erst seit Herbst 2014 fördert. Sie gönnten sich zudem einen Ausflug in den Akagera-Nationalpark.
Der größte Teil der Reise, während welcher wir ein Auto angemietet hatten, was sich als überaus notwendig erwies, bestand im Besuch von Patenkindern bzw. ihren schulischen Einrichtungen. Einen Teil der Schüler konnten wir zu Hause treffen, andere baten wir in kleinen Gruppen an einen vereinbarten Ort in Kigali und in der zweiten Woche unseres Aufenthalts reisten wir dann zu einigen Schulen, da am 26. Januar die Schule wieder begonnen hatte. Auf diese Weise hatten wir Gelegenheit, Schulleiter und Lehrer kennenzulernen, uns vorzustellen, von ihnen Auskünfte zu erhalten und für das Patenschaftsprogramm und dessen Verwaltung relevante Daten zu erhalten, wie etwa Kontaktdaten, Höhe von Schulgebühren, besondere Erfordernisse etc.
 

Zugleich bekamen wir bei unseren Besuchsreisen Kenntnis von Kindern, die auf Grund ihrer Lebenssituation dringend auf eine Bildungs­paten­schaft angewiesen wären. In einem Fall konnten wir spontan helfen, doch in den meisten Fällen mussten wir die Betroffenen vertrösten.
 

Es hat sich als sehr vorteilhaft und wichtig erwiesen, die Besuche zu machen, weil dadurch die persönliche Komponente unseres Programms gestärkt wurde.
Im Laufe der zwei Wochen haben wir 29 Patenkinder bzw. eines ihrer Elternteile besucht. Dabei konnten wir wertvolle Informationen in Wort und Bild sammeln und uns einen Eindruck von der aktuellen Lebenssituation machen. Diese Informationen dienen vor allem auch den Pateneltern in Deutschland und der Schweiz, um sich ein persönlicheres Bild von ihren Patenkindern machen zu können. Leben sie doch weit voneinander entfernt und kaum jemand hat einmal die Gelegenheit, selbst nach Ruanda zu reisen. So sind „Stellvertreterbesuche“ von entscheidender Bedeutung für den Aufbau einer etwas persönlicheren Beziehung zwischen Patenkindern und Pateneltern. Ferner dienen sie der Bildung und Vertiefung des Vertrauens in das Patenschaftsprogramm und die Menschen, die es betreiben sprich, den 1Welt-Kreis und unseren Repräsentanten, Herrn Mauermann.

Derzeit werden 52 Kinder und Jugendliche im Patenschaftsprogramm betreut, darunter mehrere gehörlose, blinde, körperbehinderte und geistig behinderte bzw. lernbehinderte Mädchen und Jungen. Die häufig erbärmliche Lebenssituation der jungen Menschen ist Pfarrer schon von früheren Reisen vertraut, aber für seine Mitreisenden, die in Mehrzahl erstmalig den afrikanischen Kontinent betrat, haben die Begegnungen mit den Schülern und den Eltern bzw. Lehrern tiefe Eindrücke hinterlassen. Und sie können erst jetzt richtig ermessen, wie wertvoll und von lebensverändernder Bedeutung es ist, wenn Kinder und Jugendliche die Möglichkeit bekommen, eine Schulbildung zu bekommen, die sie in die Lage versetzt, einmal einen Beruf zu erlernen und auszuüben und dadurch für sich und eine eigene Familie sorgen zu können. Und wie dadurch langfristig auch die Entwicklung des Landes gefördert wird, in dem die jungen Leute leben.
 

Letzteres ist ein wichtiges Ziel unseres 1Welt-Kreises. Denn wir wollen helfen, den Menschen eine Perspektive und Heimat in ihrem Vaterland zu geben. Die Chancen dafür stehen in Ruanda derzeit nicht schlecht, denn die wirtschaftliche und politische Lage ist stabil.
Was an Ruanda auffällt, ist sein für Afrika beispiel­loser Kampf gegen Korruption. Er ist fast mit Händen zu greifen – und hat gewiss nicht zuletzt dazu geführt, dass das Land eine einzigartige und rasante Entwick­lung erlebt.
An dieser Entwicklung können die Kinder und Jugendlichen, die durch unser Bildungs­paten­schafts­programm gefördert werden, aktiv teilhaben, denn sie werden durch eine gute Bildung dazu in die Lage versetzt.
 

Damit das Programm seine Wirkung optimal entfalten kann, haben wir im Laufe der zwei Wochen mehrere Gespräche im Kreis der mitreisenden Paten und der Mitarbeiter des 1Welt-Kreises (i.e. Herr Mauermann und Pfr. Reuther) sowie mit ruandischen Partnern geführt. Die Erkenntnisse, die wir aus den Erfahrungen der letzten Jahre und den jüngsten Gespräche gewonnen haben, veranlassten uns, das Management neu zu strukturieren.
Da Herr Mauermann nach menschlichem Ermessen noch längere Zeit in Ruanda weilt, macht er das Finanzmanagement in alleiniger Verantwortung. Die Betreuung und Begleitung der Patenkinder wird er in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Partnern vor Ort ausüben.
Wir sind als 1Welt-Kreis dankbar, dass wir in Herrn Mauermann einen zuverlässigen Partner gefunden haben, der bereit ist, in Ruanda zu leben und zu arbeiten, um das Projekt „Bildungspatenschaften“ professionell zu strukturieren und zu konsolidieren. Ferner sind wir dadurch in der Lage, den Ansprüchen und Erwartungen sowohl der Patenkinder als auch der Pateneltern und Spender gerecht zu werden.
Wir schauen nun mit viel Hoffnung und Optimismus in die Zukunft und hoffen, dass wir Förderer finden, die bereit sind, bedürftige Kinder in Ruanda auf dem Weg in eine gute Zukunft zu unterstützen. Ein Informationsblatt zum Patenschaftsprogramm können Sie hier herunterladen.
 

                                   Pfarrer Gerhard Reuther, Leiter des Ökumenischen 1Welt-Kreises im Erbstromtal