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Eine Eule verirrte sich in der Kirche. Durch die Pforte war sie hinein
geflogen, doch dann hatte jemand die Türe verschlossen. „Wo ein Eingang
ist, muss auch ein Ausgang sein", sagte sie sich immerzu vor und flatterte
dorthin, wo es am hellsten war. Sie prallte gegen ein Fenster und stieß
sich gehörig den Kopf. „Wo nichts zu sehen ist, kann auch nichts sein!" -
wiederholte sie einen Lehrsatz aus einem der schlauen Bücher, die sie
studiert hatte. Und dann flog sie wieder gegen die Scheibe, die sie für
nichts hielt. Immer wieder stieß sie sich den Kopf an dem Unsichtbaren.
An einer Wand war die Arche Noah gemalt. Die Taube aus der Arche hatte das
törichte Benehmen der Eule beob- achtet. Sie lachte die Eule sehr freundlich
an und sprach: „Ich möchte dir sagen: Rechne mit dem Unsichtbaren, sonst
holst du dir den Tod." Die Eule aber spottete: „Was willst du mich schon
lehren?" Noch dreimal stieß sie in vollem Flug gegen die Scheibe. Dann
sank sie mit gebrochenen Flügeln an der Fensterwand herunter und starb.
Hätte sie die Worte der Taube für wahr genommen, sie hätte sich an ihrem
Unglauben nicht den Tod geholt.
(Heinz Gerlach)
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