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Friedrich Lux
Orgelvirtuose, Kapellmeister, Chorleiter
Komponist (u.a. der Oper „Der Schmied von Ruhla“)
Als jüngster Sohn des Kantors Georg Heinrich Lux, des Komponisten des
Thüringer Volksliedes „Ach, wie ist‘s möglich dann ...“, wurde er
am 24. November 1820 im heutigen Haus Nr. 45 in der Köhlergasse in
Ruhla geboren. Er hatte eine glückliche Kindheit und im Vater ein gutes
musikalisches Vorbild. Bereits mit sieben Jahren vertrat er diesen beim
Spielen der Orgel in der Trinitatiskirche. Mit elf Jahren schrieb er sein
erstes Werk, ein Menuett, das er einer Lehrerin widmete, und mit zwölf
Jahren gab er seine ersten Konzerte, ein Orgelkonzert in Gotha und ein
Klavierkonzert in Eisenach.
1834 kam er ins Gymnasium in Gotha, wo er auch Unterricht in Komposition
erhielt. Sechzehnjährig ging er in den Sommerferien zu Fuß nach
Frankfurt/Main, weil dort in der Paulskirche eine neue große Orgel
eingebaut worden war, die er unbedingt kennenlernen wollte. Er durfte auf
ihr spielen und zwei Konzerte geben und bekam eine gute Kritik.
1837 wurde er bereits den bedeutendsten Orgelvirtuosen seiner Zeit
gleichgestellt. Bei einem Hofkonzert in Gotha erregte er die
Aufmerksamkeit des Herzogs, der ihm Unterstützung für weitere musikalische
Studien gab. Lux ging deshalb 1839 nach Dessau zu Dr. Friedrich Schneider,
damals bedeutender Musiktheoretiker und Kapellmeister. Der „Schüler“
unterwies die zwei jüngeren Töchter des „Meisters“ so gut im Klavierspiel,
dass ihm dieser den Unterricht kostenlos erteilte. Er merkte bald, dass er
in dem jungen Ruhlaer einen besonderen Schüler hatte. 1840 wurden beide
sogar miteinander verwechselt, als sie in Zerbst konzertierten.
1841
beendete Friedrich Lux seine Ausbildung und wurde Musik-direktor am
Hoftheater in Dessau. Hier entstanden seine ersten Opern, „Das Käthchen
von Heilbronn“ (in Dessau auch aufgeführt) und „Rosamunde“.(nicht
aufgeführt).
1850 heiratete er Karoline Pertz, die Tochter eines Dessauer Kaufmanns.
Der Ehe entsprossen neun Kinder, von denen fünf vor dem Erwachsenenalter
starben.
1851ging Lux nach Mainz. Dort war er bis 1853 Kapellmeister am
Stadttheater. Dann übernahm er Lehrtätigkeiten in musikalischer Theorie,
in Klavierspiel und Gesang. Verdient machte er sich in dieser Zeit durch
die Einführung der bis dahin nicht sehr bekannten Schumannschen Werke
sowie mit der Gründung von Sinfonie- und Kirchenkonzertreihen.
1864 wurde Lux aus 70 Bewerbern zum Dirigenten des Oratorienvereins
„Liedertafel“ gewählt. Unter seiner Leitung wurden die Mainzer Sänger
berühmt. Er studierte große Chorwerke ein wie „Paulus“, „Messias“, „Die
Schöpfung“, seine „Missa brevis et solemnis“ für Soli, gemischten Chor,
Orgel und großes Orchester.
1876 führte er mit sensationellem Erfolg die Matthäus-Passion auf, aber
auch Werke neuer Meister wie Mangold, Brahms, Liszt und Verdi brachte er
zu Gehör. Auf drei „Mittelrheinischen Musikfesten“, die er organisiert
hatte, führte er seinen Chor zu Riesenerfolgen.
Beim 10. Fest trat er an fünf Tagen bei sechs Proben und drei großen
Konzerten als Dirigent, dazu mehrfach als Solist und Klavierbegleiter auf.
In seiner 27-jährigen Tätigkeit als Chorleiter und Dirigent gestaltete er
mehr als 160 meist große Konzerte. Sie enthielten 36 Uraufführungen neuer,
größerer Werke, darunter seine eigenen.
In Mainz schrieb Friedrich Lux die romantische Oper „Der Schmied von
Ruhla“, mit der er seinem Geburtsort ein würdiges Denkmal setzte und die
Liebe zu seiner Thüringer-Wald-Heimat dokumentierte.
Die Oper wurde 1882 in Mainz uraufgeführt und ging dann mit großem Erfolg
über mehr als 30 Bühnen von Straßburg bis Chemnitz und von Rostock bis
Basel. Auch in Gotha und Eisenach wurde sie mehrmals aufgeführt.
Im Nebeneffekt bewirkte sie eine Werbung für Ruhla, das damals noch
Badeort war. Die Zahl der Badegäste stieg. Heute ist die Oper mit ihren
schönen Melodien leider vergessen.
Neben dem „Schmied von Ruhla“ hat Lux in Mainz die komische Oper „Die
Fürstin von Athen“, die dramatische Szene „Coriolan“, die auch in Amerika
begeistert aufgenommen wurde, die Choral-symphonie „Durch Nacht zum
Licht“, ein Liederalbum, ein Klaviertrio, drei Streichquartette,
verschiedene Festouverturen und mehrere Klavier- und Orgelstücke
geschrieben. Das Streichquartett C-Dur erinnert mit dem zweiten Satz
„Klänge der Heimat“ an die Ruhl.
Hauptthema sind darin die zweimal drei Töne der alten Ruhlaer Glocken.
Auch ihr Zusammenklang wird hörbar. Insgesamt komponierte er weit über 100
Werke, von denen über 100 gedruckt erschienen sind.
An besonderen Würdigungen und Ehrungen wurden ihm zuteil:
Darbietung des Einführungskonzertes der neuen großen Kirchenorgel in
Brüssel 1858, 1. Preis für den Königskrönungsmarsch für Wilhelm I. unter
83 Bewerbern 1861, Konzertwoche mit der größten Orgel der Welt in der
Albert-Hall in London 1871 im Auftrag des Großherzogs von Hessen,
Ehrenbürgerschaft in Ruhla GA 1875, 1. Preis in einem Quartettwettbewerb
unter 48 Bewerbern 1877, Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft des
Kaisers von Österreich 1884, gleichzeitig die Goldmedaille für Kunst und
Wissenschaft des Großherzogs von Hessen, eine Sonderpostkarte mit seinem
Porträt auf der Freimarke durch die Mainzer Privatpost und die
Ehrenbürgerschaft in Ruhla WA, weiterhin Goldmedaillen für Kunst und
Wissenschaft vom Fürsten von Hessen-Darmstadt, vom Herzog zu Anhalt, vom
Großherzog von Luxemburg, Verdienstorden vom Großherzog von Hessen und vom
Herzog von Gotha, Pensionierung mit voller Lohnfortzahlung 1891.
Lux wird als „von schlanker Gestalt und mittlerer Größe, aber
außerordentlicher Spannkraft“ beschrieben, bewundernswert wurde seine
„riesige Leistungsfähigkeit bei höchster künstlerischer Vollendung“
befunden. Er begründete seine geistige Frische und Unermüdlichkeit so:
„Dafür besitze ich ein einfaches Mittel. Sie wissen, ich bin Thüringer,
und im Sommer wandere ich jedes Jahr wieder in die Heimat und trinke in
unseren Wäldern Ozon, das erhält mich aufrecht.“
Über 30 Jahre lang kam er zur Sommererholung nach Ruhla oder
Weißenborn/Heiligenstein. Sein Biograph Reißmann urteilte über ihn und
seine Musik:
„Er stand neben Weber, Schubert, Mendelsohn und Schumann, ohne sich
ihnen anzuschließen. Er hält am Alten fest, aber indem er zugleich auch
den Einflüssen der Romantiker sich unterstellt, erscheinen auch die
strengen Formen in neuer, reizvoller Fassung.“
Friedrich Lux verstarb am 9. Juli 1895 in Mainz. Wie beliebt er
dort war, bezeugten die Mainzer, indem sie zu Tausenden den Weg des
überaus langen Trauerzuges bis zum Friedhof säumten.
Der „Mainzer Liederkranz“ ehrte seinen langjährigen Leiter und Dirigenten
durch eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Köhlergasse, 1898
angebracht.
Ruhla ehrt den Komponisten und Kapellmeister seit 1900 durch eine Tafel im
Dichterhain.
In Mainz-Neustadt gibt es seit 1901 eine Luxstraße, in Ruhla seit 1991 die
Friedrich-Lux-Straße.
Lux‘ Heimatverbundenheit kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass er zu den
Einweihungen des Stumpff-Denkmals (Dichterhain), des ersten
Carl-Alexander-Turmes und der Ziegler-Gedenktafel Verse von Storch und
Reißmann vertonte, die der Apollo-Verein jeweils vortrug.
Es soll noch erwähnt werden, dass Friedrich Lux‘ Töchter Jenny und Fränzi
auch auf dem Gebiet der Musik tätig wurden. Jenny übernahm die
Lehrtätigkeit des Vaters in Musiktheorie, Gesang und Orgelspiel und
entwickelte sich ebenfalls zu einer Orgelvirtuosin. Der Vater hatte sie
rechtzeitig in alles eingeführt.
Die jüngste Tochter Fränzi wurde Musiklehrerin. Seine Söhne Friedrich und
August waren in der Wirtschaft tätig und betrieben in Ludwigshafen die
renommierten Luxschen Industriewerke AG.
Friedrich Lux wurde in Riemanns „Musik-Lexikon“ von 1961 aufgenommen,
womit indirekt ein Werturteil für die heutige Zeit über seine Person und
sein Werk gegeben ist.
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