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Auf der Eisnachischen Seite der Ruhl hat einmal ein Pfarrer gelebt, der
hieß Feuchter
*. Von dem geht mehr als eine Spuksage.
Seine Frau, die er sehr liebte, starb ihm frühzeitig, und in wildem
Schmerz tat er an ihrer Leiche den Schwur: „Wenn ich je eine andere
heirate, so will ich das Reich Gottes nicht schauen!“
Solche Schwüre haben schon mehrere Männer getan und haben doch wieder
geheiratet, und der Pfarrer Feuchter heiratete auch wieder.
Dabei war noch nicht einmal ein Jahr seit dem Tode seiner ersten Frau
vergangen. Freilich dauerte auch sein zweites Eheglück nicht lange, denn
kurze Zeit nach seiner Wiederverheiratung lag er selber auf der Bahre.
Kaum war er tot, so begann er gräulich im Hause zu spuken; denn weil er
einen Meineid geleistet, konnte er nicht zum Frieden des Reiches Gottes
kommen.
Heftiges Poltern erdröhnte in der Pfarrei, treppauf ging‘s und treppab,
Stühle und Tische wurden von ihren Plätzen gerückt oder umgeworfen, und
kein Mensch vermochte es mehr in dem unheimlichen Hause auszuhalten. Aber
auch außer dem Hause trieb es der spukende Pfarrer schlimm. In der Kirche
und auf dem Gottesacker, ja in der ganzen Ruhl erschreckte er die Leute,
also, daß es bald nicht mehr zu ertragen war.
Als der Spuk immer ärger wurde, ließ die Gemeinde – nach anderen die Witwe
– endlich zwei Jesuiten kommen, die den Poltergeist beschwören und
austreiben sollten.
Die Beschwörung wurde in der Kirche vorgenommen, und die Witwe Feuchters,
der Schulze des Ortes und viele Einwohner waren dabei zugegen. Zuerst
murmelten die Jesuiten leise allerlei Verschwörungs- und Zauberformeln vor
sich hin und trafen, den Geist zu zitieren, vorm Alter geheimnisvolle
Vorkehrungen; danach mußte die Witwe, auf der Teufelsbeschwörer Geheiß,
den Verstorbenen dreimal bei seinem Taufnamen rufen.
Sowie dies geschehen war, erschien das Gespenst plötzlich auf der Brüstung
der Empore, drohend und zornig anzuschauen und wie ein Rasender tobend,
weigerte sich auch ganz entschieden, in den Sack zu kriechen, darinnen es
fortgetragen werden sollte.
Doch all sein Sträuben war vergebens. Durch die geheime Macht der
Beschwörung ward es endlich von seinem luftigen Sitze herabgezogen und
ließ sich nunmehr auch willig finden, in den ihm vorgehaltenen Sack
hineinzukriechen. Ehe es das jedoch tat, strecke es seiner Frau wie zum
Abschiede die Hand entgegen. Die aber war von den Beschwörern gewarnt und
schlug nicht ein, sondern hielt ihm bloß ihr Sacktuch hin, das bei der
Berührung durch des Geistes Hand alsbald in hellen Flammen aufging.
Endlich war der Spukende im Sacke drin, den die Jesuiten flugs fest
zubanden und eiligst von dannen trugen. Das aber war ein schweres Stück
Arbeit, denn in dem Sacke rumorte es gewaltig, und die Pöpelsträger
(Popanzträger) mußten sich vielmals beim Tragen ablösen, ehe sie zu dem
Platze kamen, an den sie den Spukgeist zu bannen gedachten.
In der Gollert, die sich vom Rennsteig nach dem Dörflein Etterwinden zu
hinabzieht, machten sie endlich keuchend und schwitzend halt, schritten
daselbst ein Stück Land ab, auf dem der Geist spuken könne, bannten ihn
durch wirksame Zaubersprüche an Ort und Stelle und ließen ihn dann heraus
aus dem Sacke.
Hier spukte es nun, noch immer im Gewande eines Geistlichen, gräulich
umher und peinigte und schreckte die Vorüberziehenden durch allerlei
Schabernack. Gleich dem Bieresel hockte er oft den Männern auf und ließ
sich von ihnen eine Strecke weit die hier steile Gollert hinantragen. Den
Schubkärrnern hielt er die Schubkarren auf und machte sie schwer, wenn es
bergan ging, schob aber gehörig daran, wenn es bergab ging, also, daß die
geplagten Kärrner ins Laufen kamen und sich und ihre Karren schier nicht
zu erhalten mochten.
Bisweilen nieste er auch, wenn jemand vorüberging, und dankte dem
Arglosen, wenn dieser ihm ein freundliches „Gott helf!“ zurief, mit einer
kräftigen Maulschelle, wie er solche mit unsichtbarer Hand auszuteilen
überhaupt besonders liebte. Und so arg trieb er es in der Gollert, daß die
Teufelsbanner noch einmal kommen mußten.
Wie diese nun die neue Beschwörung vornahmen, tobte der Geist wiederum
gewaltig und schrie den einen der beiden an: „Pfaff, du willst mich
bannen! Hast du nicht heute erst aus einem Acker eine gelbe Rübe gestohlen
und sie gefressen?“ - „Schweige, du böser Geist!“, rief der Jesuit. „Wohl
habe ich aus jenem Acker eine gelbe Rübe genommen, um meinen Hunger zu
stillen, aber ich habe dafür einen Groschen in das Loch geworfen.“
Und nun wurde Feuchters Geist zum anderen Male gebannt, diesmal aber an
einen Ort, wo er den Verkehr nicht mehr stören konnte; manche sagen, in
das alte Schloß Liebenstein, andere nennen das „finstere Loch“ unterm
Hohebruch hinter Wilhelmsthal und noch andere den Schilderkopf oder
Schillkopf (die Schillwand) am unteren Ende der Gollert.
Seitdem soll er sich ruhig verhalten, ja, man will ihn sogar gesehen
haben, wie er still und ehrbarlich an einem Strumpfe strickte.
* Es handelt sich um Johann Georg Feuchter, der am
29.04.1701, als dritter Sohn des Pfarrers Johann Feuchter in Ruhla geboren
worden war. Letzterer war bereits Pfarrer in Ruhla von 1694-1724 gewesen.
Johann Georg Feuchter war Pfarrer in Ruhla von 1739 bis zu seinem Tode am
26.06.1758
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