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Rund um das Kirchenjahr

Gedenktage der Apostel – Apostel Thomas (21. Dezember)


Eine Berufung des Thomas ist uns nicht überliefert. Er, der auch der „Zwilling“ genannt wird, taucht das erste Mal an einer wichtigen Stelle auf.
Gerade nachdem Jesus knapp der Steinigung entgangen war und mit seinen Jüngern jenseits des Jordan Zuflucht gesucht hatte vor dienen, die ihm in Jerusalem nach dem Leben trachteten, sagte der Herr: Lasst uns wieder nach Judäa ziehen!

Berühmt wurde Thomas durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: „Mein Herr und mein Gott!“ Damit erkannte er als erster der Jünger die göttliche Natur Christi.

Apostel ThomasLegenden erzählen, daß Christus ihm erschien und ihn aufforderte, dem Boten des Königs Gundisar nach Indien zu folgen, da der König den besten Baumeister suche, um sich einen Palast nach römischer Bauweise errichten zu lassen.
Thomas wurde mit Abbanes, dem Boten, unterwegs veranlasst, an der Hochzeit einer Königstochter teilzunehmen; eine hebräische Musikantin wiederholte für Thomas einen Hymnus in der Muttersprache, worauf der Mundschenk ihn ohrfeigte.
Thomas prophezeite die eintretende Strafe: Löwen zerrissen den Mundschenk am Brunnen, ein Hund brachte die Hand, die den Glaubensboten geschlagen hatte, das Brautpaar bekehrte sich und wurde gesegnet.

Bei Gundisar angelangt, zeichnete Thomas diesem einen Palast und erhielt große Schätze zum Bau, verteilte diese aber während der Abwesenheit des Königs an die Armen, predigte und bekehrte Unzählige.
Dem zurückgekehrten König, der Thomas empört in den Kerker warf, erschien sein vor kurzem verstorbener Bruder; der erklärte ihm, Thomas habe für ihn im Jenseits den prächtigsten Palast errichtet, worauf Gundisar sich bekehrte und Thomas in fernere indische Gebiete ziehen ließ.

Vornehme Frauen eines Herrscherhauses wurden von Thomas bekehrt, der König aber ließ ihn gefangen setzen, vielfältig martern und wollte ihn zum Opfer vor dem Sonnengott zwingen.
Thomas sprach den im Standbild verborgenen Teufel an, das Bronzewerk zerschmolz wie Wachs, der außer sich geratene Oberpriester durchbohrte Thomas mit seinem Schwert, doch der König ließ ihn ehrenvoll begraben.

Anderen Legenden erzählen, daß Thomas noch weitere Länder durchzog, bis er in Madras von feindlich Gesinnten mit Lanzen durchstochen wurde.
Auf Johannes Chrysostomus soll die Erzählung zurückgehen, dass Thomas auf seinen Reisen die Heiligen Drei Könige getroffen, getauft und zu Bischöfen ernannt habe. Als Ort seines Martyriums geben viele Legenden Kalamina – wohl das heutige Mailapur bei Madras.

Im Jahr 1945 wurde in Ägypten ein vollständiges Exemplar des Thomas-Evangeliums entdeckt, welches eine Sammlung von Jesusworten ohne Erzählungen oder Passionsgeschichte beinhaltet, möglicherweise schon sehr früh (um 70?) entstanden und laut Vorwort von Thomas verfasst.

Bei Mailapur gibt es den „Großen Thomasberg“; 1547 wurde auf ihm eine Kirche zu Ehren von Thomas errichtet. Dort verwahrt wird das Thomaskreuz aus dem 7. Jahrhundert, dessen Inschrift von seinem Martyrium erzählt.
Thomas’ Gedenktag lag auch in der katholischen Kirche bis 1969 auf dem 21. Dezember, dem Datum der längsten Nacht des Jahres.

Brauchtum:

In der Thomas-Nacht, die im Mittelalter als zauberkräftig galt, befragten noch unverheiratete junge Frauen das Orakel hinsichtlich einer zu erwartenden Heirat.
In manchen Regionen wurden Kinder mit sog. Thomas-Gebäck beschenkt, andernorts wurden ihnen auch mit einer dunklen Gestalt gedroht, die sie in einem Sack forttrage, wenn sie nicht artig seien.


Bauernregeln:

„Wenn’s St. Thomas dunkel war sorgt er für ein schönes neues Jahr.“


Attribute:

Bart, Schwert, Lanze, Winkelmaß


Patron:

von Ostindien, Portugal, Goa, Urbino, Parma, Riga, der Thomas-Inseln, des Kirchenstaates

der Architekten, Geometer, Maurer, Zimmerleute, aller Bauarbeiter, der Steinhauer, Feldmesser und – möglicherweise wegen seiner Zweifel – der Theologen

bei Rückenschmerzen

für gute Heirat

Quellen: daskirchenjahr.de, theology.de und Ökumenisches Heiligenlexikon