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Erschütternde Bilder von der Reise nach Ruanda


Gäubote  Freitag, 09.03.2007

Partnerschaft zwischen Hildrizhausen und Ruhla: Thüringisches Pfarrer-Ehepaar stellt das Hilfs- projekt „Assist” vor
 

Erschütternde Bilder von der Reise nach Ruanda

Hildrizhausen - Schon seit den Zelten des Mauerbaus besteht eine Partnerschaft zwischen der evangelischen Gemeinde Hildrizhausen und der Gemeinde des Ortes Ruhla in Thüringen. Nach dem Fall der Mauer schlief diese Partnerschaft nicht ein - sie wird bis heute gepflegt. So kam es, dass Hildrizhausen Pfarrer Tobias Neumann am Sonntag Gäste aus Thüringen begrüßen konnte: Pfarrer Gerhard Reuther und seine Frau suchten Unterstützung für ihr Hilfsprojekt im afrikanischen Ruanda.


 
Gemeindetag in Hildrizhausen: Georg Stickel (links) vom Dritte-Welt-Laden Herrenberg verkauft Waren aus Afrika an (von links) Tobias Neumann und Rose Seeger-Neumann und Gerhard Reuther und Andrea Pawlitzki      
GB-Foto: Bäuerle

 

Die Tatsachen, die Gerhard Reuther in seinem Diavortrag über Ruanda ausbreitet, sind erschütternd: eine Million Menschen wurden dort innerhalb von 100 Tagen während eines Völkermordes im Jahr 1994 getötet. Reuther zeigte Bilder einer Kirche, in die sich unzählige Menschen geflüchtet hatten - um dort dennoch abgeschlachtet zu werden: ,.Der Boden der Kirche ist leicht abschüssig zum Altar hin. Deshalb sammelte sich am Altar das Blut der Toten. Noch heute kann man sehen, dass das Blut einen halben Meter hoch stand." Ein anderes Bild zeigt die Grabsteine von Kindern, auf denen die letzten Worte der Toten festgehalten wurden und die Art ihres Todes.
Reuther und seine Frau Andrea Pawlitzki, beide zu Gast in Hildrizhausen, bereisten kürzlich Ruanda und besuchten diese Stätten. Der .,Eine-Welt-Kreis" ihrer Gemeinde unterstützt das Projekt „Assist”, der in Ruanda Beratung und Lebenshilfe für Betroffene leistet und ein Kinder- und Jugendzentrum aufbaut. in dem vor allen Dingen die während des Bürgerkrieges in Ruanda zu Soldaten ausgebildeten Kinder resozialisiert werden sollen.
Ruhla in Thüringen ist eine Ortschaft mit rund 7 000 Einwohnern. Die Partnerschaft zwischen Hildrizhausen und Ruhla besteht seit jenen Tagen, in denen sich die Württembergische Landeskirche, tun der deutschen Spaltung entgegenzuwirken, systematisch der Gemeinden in Thüringen annahm. Die Hildrizhausener Gemeinde selbst organisiert jährlich zwei Veranstaltungen - einen Basar im Herbst, bei dem die eigene Gemeinde im Mittelpunkt steht. und einen Gemeindetag im Frühjahr. bei dem die Hildrizhausener ihre Blicke hinaus in die Welt richten. Dieses Mal nach Ruhla und nach Ruanda.
Auftakt des Gemeindetages war am Sonntag ein Gottesdienst mit afrikanischen Elementen: Neumann und Reuther spielten während dieses Gottesdienstes afrikanische Percussion, die ihnen von der Hildrizhausener Trommellehrerin Barbara Frank zur Verfügung gestellt worden war, die den Afrikatag im evangelischen Gemeindehaus ihrerseits mit einem Stand begleitete, an dem sie ihre Trommeln präsentierte. Tags zuvor hatten rund 40 Kinder Hildrizhausens am Kinderbibeltag der Gemeinde teilgenommen, der den Gemeindetag begleitete. Im Dachgeschoss des Gemeindehauses sollte am Sonntagnachmittag schließlich ein Flohmarkt stattfinden. während im Saal des Hauses Reuther seine Eindrücke aus Afrika kommentierte. Zuvor nahm man einen gemeinsamen Mittagstisch ein, später Kaffee und Kuchen.
Im Foyer des Gemeindehauses bot der Eine-Welt-Laden Herrenbergs Waren des fairen Handels an. Während die Einnahmen des Gemeindetages traditionell zur Pflege des alten Hildrizhausener Friedhofes eingesetzt werden sollen, wird die Kollekte des Gottesdienstes dieses Mal dem Hilfsprojekt in Afrika zukommen - immerhin 360 Euro. „Wenn du dich und wenn du mich gekannt hättest. dann hättest du mich nicht getötet” - diesen Satz sah Gerhard Reuther in Ruanda auf einem Banner, von dem er seinen Zuhörern in Hildrizhausen ein Bild präsentierte.

Thomas Morawitzky

Gäubote, 09.03.2007



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