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Ein Ort der Versöhnung und der Einigkeit


Thüringer Landeszeitung  05.12.2008

Ein Ort der Versöhnung und der Einigkeit
 

Großprojekt in Ruanda: Ruhlaer Eine-Welt-Kreis zieht positive Zwischenbilanz

Ruhla. (tlz) Es ist eine kleine Gruppe aus dein Erbstromtal (Wartburgkreis), die sich regel- mäßig trifft. Ihr Ziel ist aber alles andere als klein. Der ökumenische Eine-Welt-Kreis der evangelischen und katholischen Kirchge- meinden um Ruhla hat zehn feste Mitglieder und die wollen mit Hilfe vieler anderer Menschen helfen. Vor einem Jahr hat die Gruppe um Pfarrer Gerhard Reuther ein Großprojekt auf den Weg gebraucht. Gemeinsam wollen sie mit dem ruandischen Hilfsverein Assist-Rwanda ein Ausbildungszentrum für Jugendliche mit Beratung und Förderung sowie medizinischer Betreuung von Kindern in Ruanda bauen. Nun zogen die Initiatoren erstmals eine Zwischen- bilanz.


 
Ein Ausbildungszentrum für Jugendliche in Ruanda hat Gruppe um Pfarrer Gerhard Reuther auf den Weg gebracht.

 

Die Lage gerade der Kinder und Jugendlichen dort ist dramatisch. Der von der Welt nahezu unbeachtet gebliebene Völkermord 1994 im kleinen afrikanischen Land hat dafür gesorgt, dass es etwa 400 000 Waisenkinder gab, ihre Eltern waren ermordet worden. In 100 Tagen verloren während dieses Rassenkrieges dort rund eine. Millionen Menschen ihr Leben. Etwa 190 000 der Waisen leben noch heute in sogenannten Kinderfamilien, wo Jugendliche als Haushaltsvorstände die Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch ihre jüngeren Geschwister tragen. Dass dies auch 14 Jahre nach dem Massaker so ist, hat einen weiteren Grund: Aids. Die HIV-Rate in Ruanda liegt bei sehr hohen acht Prozent, jedes Jahr rafft die Krankheit Hunderte, Tausende dahin. Vor allem die Waisenkinder sind es dann, die nicht zur Schule gehen, weil die. Schulgebühren für sie nicht bezahlbar sind. Folge: Die Arbeitslosigkeit unter diesen Jugendlichen ist in Ruanda extrem hoch.
Und so soll das geplante Kinder- und Jugendzentrum gleich vielfach positiv wirken. Ganz oben auf der Liste steht dabei das Angebot auf eine Berufsausbildung, der die Jugendlichen dann in die Lage versetzt, sich selbst und die Familie zu ernähren. Doch genauso wichtig ist die Begleitung und Beratung für diese Menschen, die vielfach unter verschiedensten Formen psychischer Traumata leiden. In Workshops und mit künstlerischen Mitteln wie Theater soll das Thema Umgang und Schutz vor Aids angegangen werden. Über all dieser praktischen Hilfe steht aber auch der Gedanke, dass die Jugendlichen dort Einigkeit und Versöhnung erfahren und erlernen können, um jede Form von sektiererischen oder ethnische Tendenzen abzulegen.
Erste Erfolge hat der kleine Eine-Welt-Kreis schon zu verzeichnen. Das erste Gebäude des Zentrums ist in Betrieb, die Bibliothek, rund 12 000 Euro waren dafür nötig. Als nächstes soll das Gebäude für die Klassenräume finanziert werden, nach dem Motto: Wir schenken den Kindern von Ruanda zu Weihnachten ein Schulhaus. Da hat der Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) bereits einen Zuschuss von 10 000 Euro zugesagt, 40 000 werden benötigt. Insgesamt aber wird die Fertigstellung des gesamten, geplanten Komplexes etwa 440 000 Euro kosten. Deshalb hat sich der Eine-Welt-Kreis den Namen 1-2-Hilfe 11.111 x 40 Euro für die Hilfsaktion ausgedacht.
Die Zahl der Mitstreiter ist gewachsen. Thüringens Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel hat die Schirmherrschaft übernommen. 131 Einzelspender, andere Kirchengruppen, der Afrikakreis Stendal. Konfirmandengruppen und viele mehr machen sich stark dafür. Das Projekt hat sich herumgesprochen, auch aus dem Ausland kommt schon Hilfe. Künstler, die zu Konzerten und literarischen Abenden in der Ruhlaer Concordiakirche auftraten. unterstützen. Ein US-Amerikaner, den es der Liebe zu Thüringen wegen ins Erbstromtal verschlagen hat, rührt gerade in amerikanischen Kirchgemeinden die Werbetrommel, 500 Dollar sind sein erster Beitrag. Und das Geld kommt zu 100 Prozent an, versichert Pfarrer Gerhard Reuther, der schon lange den Kontakt nach Ruanda hält.
2007 reiste eine Gruppe aus Ruhla nach Ruanda und sah sich am Beispiel eines zuvor unterstützten Projektes an, wie gut die Spenden dort angelegt werden. Pfarrer Reuther hofft, dass die Aktion weiter so erfolgreich ist und noch viele Mitstreiter findet.

Peter Rossbach

Thüringische Landeszeitung, 05.12.2008



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