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Patenschaften für eine bessere Zukunft


Glaube und Heimat  17.03.2012

Patenschaften für eine bessere Zukunft

Der Generalsekretär der Lutherischen Kirche Ruandas besuchte Ruhla

Ruanda ist weit weg. Allerdings nicht für die Kirchengemeinde Ruhla bei Eisenach. Gemeinsam mit einem ruandischen Verein vermittelt sie Bildungspatenschaften. Wie wichtig das ist, erfuhren die Gemeindeglieder am vergangenen Wochenende bei einem Besuch von John Rutsindintwarane, dem Generalsekretär der Lutherischen Kirche Ruandas. Er berichtete, wie wichtig diese Arbeit für die Kirchen und Kommunen seiner Heimat ist. Noch immer seien viele Menschen in Ruanda vom Massaker an den Tutsis traumatisiert. Auch er selbst gehört zu den Betroffenen. Rutsindintwarane wurde zwar in Ruanda geboren, aufgewachsen ist er jedoch in einem Flüchtlingslager in Tansania. Erst 1995 konnte er in die Heimat zurückkehren.
Was John Rutsindintwarane im Gemeindesaal erzählt, verfolgt Regina Laufer mit besonderem Interesse. Seit sechs Jahren ist die Eisenacherin Bildungspate. »Mein Patenkind heißt Patrick«, sagt sie. Inzwischen ist er ein junger Mann, der kurz vor dem Abschluss seines Studiums als Bankfachmann steht. Patrick sei trotz seiner Jugend das Familienoberhaupt und kümmert sich um seine vier Geschwister. »Seine Eltern kamen bei einem Massaker ums Leben. Damals war seine jüngste Schwester gerade mal drei Monate alt.« Als die Schwester vor Kurzem schwer erkrankte, unterbrach er sein Studium. In dieser Zeit überwies Regina Laufer extra Geld nach Ruanda. »Der Familie musste doch geholfen werden!«
 

Die Bildungspatenschaft kostet im Monat 30 Euro. Was wenig erscheint, bewirkt in Ruanda viel. Ruhlas Pfarrer Gerhard Reuther weiß, was alles von dem Geld bestritten werden kann: Schulgeld, Unterkunft im Internat, Schulmaterialien. Im Jahr 2000 kam Reuther über einen Artikel in einer englischen Zeitschrift erstmals in Kontakt mit Hilfsaktionen für Ruanda. Damals war er noch Pfarrer in Stendal. Er nahm Kontakt mit Evariste Karangwa vom Bildungsinstitut in Kigali (Ruanda) auf. Als er nach Ruhla wechselte, setzte er hier sein Engagement fort - und fand begeisterte Mitstreiter. Der »Ökumenische Eine-Welt- Kreis im Erbstromtal« unterstützt mittlerweile maßgeblich die Bildungspatenschaften.
Von John Rutsindintwarane erfuhren die Gemeindeglieder aus erster Hand, wie wichtig die Hilfe für ein Land ist, in dem Bildung eben nicht für jeden erreichbar ist. Die Patenschaft beschränkt sich nicht auf die finanzielle


 
John Rutsindintwarane (links) aus Ruanda und der Ruhlaer Pfarrer Gerhard Reuther.           
                                       Foto: Klaus-Dieter Simmen

Seite. »Briefkontakte sind ausdrücklich erwünscht«, sagt Pfarrer Reuther. Auch wenn es in Ruanda nicht so einfach ist, Briefe zuzustellen. »Die meisten Menschen haben keinen Briefkasten.« Deshalb laufen viele der Kontakte über den Verein. Manche der Paten reisen auch nach Ruanda. Bei Regina Laufer blieb das bisher aus Zeit-gründen bei der ldee. Nun ist sie im Ruhestand. »Ich denke, jetzt schaffe ich es, Patrick und seine Familie zu besuchen«, hofft sie.

                                                                                                                          Klaus-Dieter Simmen

Glaube und Heimat, 17.03.2012



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